Die Lunte brennt mal wieder
Markt­kom­mentar KW 38 | 2019

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Als Novum in der über­schau­baren His­torie des EVERGREEN Markt­kom­men­tars sehen wir uns diese Woche ver­pflichtet, nicht einen, son­dern zwei Charts zu veröffentlichen!

Nun, es ist wieder einmal viel in der Welt pas­siert. Wir sahen am Montag den bisher stärksten Anstieg im Ölpreis und am Dienstag den stärksten Anstieg im kurz­fris­tigen US Repo Zins.

Im Osten viel Neues

Die Woche begann tur­bu­lent im nah­öst­li­chen Pul­ver­fass. Am ver­gan­genen Wochen­ende legten Drohnen-Angriffe zwei wich­tige Ölan­lagen in Saudi Ara­bien lahm. Die Ölpro­duk­tion des Landes brach dar­aufhin um 10 Mio. Barrel auf die Hälfte ein. Der Angriff trifft damit das Herz der Ölin­dus­trie im Nahen Osten. Saudi Ara­bien zeigt damit eine über­ra­schende Ver­wund­bar­keit und bezich­tigt indi­rekt den Erz­feind Iran als Draht­zieher der Attacke.

Die geschockten Ölmärkte öff­neten am Montag um bis zu 20 % höher (!) und stiegen auf ein neues 4‑Mo­nats-Hoch. Dank des gut ver­sorgten Welt­marktes sta­bi­li­sierte sich der Preis jedoch auf einem moderat erhöhten Niveau. Eine neue geo­po­li­ti­sche Risi­ko­prämie wird jetzt ein­ge­preist, die sich bei einer wei­teren Eska­la­tion ver­viel­fa­chen könnte.

Charts der Woche

Ölpreis­ent­wick­lung Brent Crude — Quelle: Reuters
US Over­night Repo Rate — in Pro­zent — Quelle: Reuters

Warum die FED ein Repo Pro­blem hat

Anfang der Woche kam es am US Geld­markt zu einem höchst unge­wöhn­li­chen Ereignis, dass wir seit der Lehman Pleite im Jahr 2008 nicht mehr gesehen haben.

Der 2 Bil­lionen US-Dollar schwere Repo-Markt (Repo = Repurchase Agree­ment) für kurz­fris­tige Finan­zie­rungen schien der US Noten­bank FED am Montag kurz ent­glitten. Der für diese Über­nacht-Trans­ak­tionen fäl­lige Zins stieg auf bis zu absurde 10 %, bevor die FED ein­griff und 53 Mrd. USD in das System pumpte. In den Fol­ge­tagen inji­zierte die Noten­bank gleich nochmal jeweils 75 Mrd. um etwas Ruhe am Inter­ban­ken­markt zu bekommen.

Wäh­rend Pes­si­misten jetzt bereits eine neue Liqui­di­täts­panik her­auf­be­schwören, sehen Opti­misten ledig­lich tech­ni­sche Gründe für die Ver­span­nungen am Geldmarkt.

Am Mitt­woch senkte die US Noten­bank FED außerdem noch das Leit­zins­in­ter­vall, wie von den Märkten erwartet, um 25 Basis­punkte auf 1,75 % — 2,00 % um den auf­kei­menden Abschwung zu bekämpfen. Nim­mer­satt Donald Trump reichte das immer noch nicht und er warf den Zen­tral­ban­kern auf Twitter Ver­sagen vor. Die glo­balen Akti­en­märkte reagierten immerhin erleich­tert und konnten die Woche trotz Ölschock mit leichten Gewinnen beenden.

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Zur Beach­tung: Die in diesem Doku­ment ent­hal­tenen Infor­ma­tionen stellen keine Anla­ge­be­ra­tung dar, eine Haf­tung ist ausgeschlossen.


Über den Autor

Benjamin Kaden

Hi, ich bin Benjamin, Leiter Asset Management von EVERGREEN. Ich freue mich, Privatanlegern den Zugang zu innovativen und professionellen Investmentlösungen zu ermöglichen. Auf unserem Blog teile ich mein Finanzwissen mit Euch.

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