Nach uns die Geld­flut
Markt­kom­mentar KW 30 | 2020

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Und wieder wurde ein neues Multi-Mil­li­arden Hilfs­pro­gramm ver­ab­schiedet. Diesmal von der Euro­päi­schen Union. Nach näch­te­langem Ringen zwi­schen den Spar­füchsen im Norden und den Spen­dier­freu­digen aus dem Süden konnte auf dem EU-Gipfel am Dienstag eine Eini­gung für ein euro­pa­weites Wie­der­auf­bau­paket erzielt werden. 750 Mil­li­arden Euro werden unter das Corona-gebeu­telte Volk gebracht. Auf­treiben will die EU die Mil­li­arden erst­malig direkt am Kapi­tal­markt, durch die Aus­gabe von gemein­schaft­li­chen Anleihen. Wird damit ein Prä­ze­denz­fall für die viel gefürch­teten Euro­bonds gesetzt? Die spar­freu­digen Länder wollen davon natür­lich nichts wissen und bestehen auf der Ein­ma­lig­keit der Geld­flut, um die Folgen der Coro­na­krise zu lin­dern. Zudem ver­bieten die EU-Ver­träge eine dau­er­hafte Verschuldung. 

Über die Abnehmer der geplanten Anleihen brauch sich die EU jeden­falls keine Sorgen zu machen. Im Rahmen ihres seit Jahren lau­fenden Pro­grammes zur Sti­mu­lie­rung der euro­päi­schen Wirt­schaft, hält die Euro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) inzwi­schen Anleihen im Wert von knapp 2.900 Mil­li­arden Euro. Durch ihr Corona-Hilfs­pro­gramm werden im Laufe des kom­menden Jahres bis zu 1.350 Mil­li­arden Euro an Anleihen dazu­kommen. In diesem Fall hält die EZB dann knapp 20 % des gesamten euro­päi­schen Anlei­hen­marktes

Fragen über Fragen…

Solche Anlei­he­käufe durch die EZB können als moderne Form des „Geld­dru­ckens“ ver­standen werden. Durch den Kauf von Anleihen gibt die EZB Geld an Regie­rungen und Unter­nehmen, wel­ches vorher nicht im Markt vor­handen war. Und was bedeutet das nun? Können die euro­päi­schen Länder ihre Haus­halts­bud­gets inzwi­schen nur noch durch das Dru­cken von Geld finan­zieren? Welche Aus­wir­kungen hat das auf die Infla­tion? Und was pas­siert, wenn die EZB keine neuen Anleihen mehr kauft? Kann sie das über­haupt, ohne dass EU-Länder rei­hen­weise bankrottgehen? 

All diese Fragen scheint sich der Markt der­zeit nicht zu stellen. Der euro­päi­sche Markt und mit ihm der DAX wurde zum Anfang dieser Woche, durch den Beschluss des EU-Rats zum neuen Corona-Hilfs­pro­gramm, prak­tisch nach oben kata­pul­tiert

Zum Ende der Woche hin bescheren erneut stei­gende Arbeits­lo­sen­zahlen aus den USA dem Markt einen erneuten Ein­bruch. Dazu kamen die sich wieder ver­schlech­ternden Bezie­hungen zwi­schen China und den USA, sowie die Ableh­nung des EU-Rat Beschlusses durch das EU-Par­la­ment. Infol­ge­dessen sank der DAX wieder unter die 13.000 Marke und endet, wo er Anfang der Woche begonnen hat. 

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Über den Autor

Benjamin Kaden

Hi, ich bin Benjamin, Leiter Asset Management von EVERGREEN. Ich freue mich, Privatanlegern den Zugang zu innovativen und professionellen Investmentlösungen zu ermöglichen. Auf unserem Blog teile ich mein Finanzwissen mit Euch.

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