Short Squeeze: David gegen Goliath an der Börse

Markt­kom­mentar KW 4 | 2021

US-Notgroschen für die Wirtschaft

Es ist ver­mut­lich bereits jetzt eine der ver­rück­testen Bör­sen­ge­schichten des Jahres: Auf dem Rücken des ame­ri­ka­ni­schen Video­spiel-Händ­lers Game­Stop tragen junge Ama­teur-Spe­ku­lanten zur­zeit einen Macht­kampf mit insti­tu­tio­nellen Tra­ding-Profis aus. Hedge­fonds setzten zuletzt mit­hilfe von Leer­ver­käufen (“Short Sel­ling”) auf fal­lende Game­Stop Akti­en­kurse. Über Internet-Foren orga­ni­sierte Pri­vat­an­leger ließen den Akti­en­kurs des in wirt­schaft­liche Schief­lage gera­tenen Unter­neh­mens jedoch seit Jah­res­be­ginn um über 2000 % nach oben springen.

Das hier statt­fin­dende Bör­sen­phä­nomen heißt Short Squeeze. Kon­kret bedeutet dies, dass die insti­tu­tio­nellen Anleger ihre offenen Leer­ver­kaufs ‑Posi­tionen schließen müssen, um auf­grund der fal­schen Annahme über die Kurs­ent­wick­lung ihren finan­zi­ellen Schaden zu begrenzen. Dieser Vor­gang resul­tierte in einem Nach­fra­ge­über­schuss nach Game­Stop, was den Akti­en­kurs des Unter­neh­mens noch weiter nach oben katapultierte.

Mitt­ler­weile geraten sogar die von den kurz­fris­tigen Tra­dern beliebten Neo-Broker wie Robin­hood und Trade Repu­blic in Schwie­rig­keiten. Das extrem hohe Han­dels­vo­lumen sorgte bei Trade Repu­blic und den ange­schlos­senen Han­dels­plätzen für eine zeit­weise Über­las­tung und eine Ein­schrän­kung des Han­dels. Robin­hood musste sich zudem fri­sches Kapital besorgen, um gestie­gene Sicher­heits­leis­tungen zu bedienen.

Wie lange dauert es, bis die ent­stan­dene Blase platzt? Spe­ku­la­ti­ons­blasen zeigen seit hun­derten von Jahren ein immer wie­der­keh­rendes Muster: nach der Bubble kommt der Crash. Es bleibt zu hoffen, dass das Finanz­system als Ganzes nicht zu viel Schaden nimmt.

Stim­mungs­schwan­kungen

Auf die Party  folgt die Ach­ter­bahn­fahrt: Nach anfäng­li­cher Kater­stim­mung zum Wochen­be­ginn wech­selten sich die Vor­zei­chen der US-Akti­en­märkte im wei­teren Wochen­ver­lauf ab. Wäh­rend die großen Tech-Unter­nehmen wie Apple und Face­book Rekord­um­sätze ver­zeich­neten, konnten andere Unter­nehmen nur durch­wach­sene Zahlen vor­legen. Unsi­cher­heit der Anleger wurde auch durch Gerüchte über ein kleiner aus­fal­lendes US-Kon­junk­tur­paket aus­ge­löst. Wei­terhin ver­kün­dete die US-Noten­bank FED, an dem aktuell nied­rigen Zins­ni­veau fest­zu­halten, wäh­rend die US-Regie­rung ein BIP-Wachstum für das letzte Quartal 2020 von 4 % ver­öf­fent­lichte. Für das gesamte Corona-Jahr 2020 bedeutet das aller­dings auch einen Ein­bruch der US-Wirt­schaft von 3,5 % – der größte Ein­bruch seit 1946.

Auch die Anleger an den euro­päi­schen Akti­en­märkten erlebten eine durch­wach­sene Woche: Neben der wei­terhin ange­spannten Corona-Situa­tion laufen auch die euro­päi­schen Impf­kam­pa­gnen schlep­pend an. Auch der Ifo-Geschäfts­kli­ma­index der deut­schen Wirt­schaft – fiel von 92,2 auf 90,1 Punkte und ver­deut­lichte die ein­ge­trübte Stimmung.

Die der­zei­tige stär­kere Schwan­kungs­be­we­gung an den Akti­en­märkten zeigt sich bei­spiel­haft im Vola­ti­li­täts­index VIX. Der Index drückt die erwar­tete Schwan­kungs­breite bzw. Vola­ti­lität des S&P 500 Index aus und stieg diese Woche auf ein 3‑Mo­nats-Hoch – wird sich die Ner­vo­sität der Anleger, ange­trieben von den Short Squeeze-Macht­kämpfen, wieder beru­higen oder wird es wieder tur­bu­lenter an den Märkten?

Zur Beach­tung: Frü­here Wert­ent­wick­lungen lassen nicht auf zukünf­tige Ren­diten schließen. Die in diesem Doku­ment ent­hal­tenen Infor­ma­tionen stellen keine Anla­ge­be­ra­tung dar, eine Haf­tung ist ausgeschlossen. 

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