Tatort Wire­card
Markt­kom­mentar KW 26 | 2020

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Die Causa Wire­card ent­wi­ckelte sich diese Woche zu einem hand­festen Wirt­schafts-Thriller mit täg­lich neuen Höhe­punkten.

Nach dem bekannt werden eines Bilanz­lochs von 1,9 Mrd. Euro letzte Woche, trat der lang­jäh­rige CEO Markus Braun umge­hend zurück. Braun stand seit 2002 an der Spitze des Zah­lungs­dienst­leis­ters. Am Mon­tag­abend erfolgte dann sogar die Ver­haf­tung, nachdem der Wire­card-Vor­stand zugeben musste, dass das Geld mit „über­wie­gender Wahr­schein­lich­keit“ gar nicht exis­tierte. Am Mitt­woch­nach­mittag wurde Braun gegen 5 Mio. Euro Kau­tion wieder aus der Haft ent­lassen. Am Don­ners­tag­vor­mittag dann der nächste Pau­ken­schlag. Der neue Vor­stand stellte den Antrag auf Insol­venz wegen dro­hender Zah­lungs­un­fä­hig­keit und Über­schul­dung. Die bereits arg gebeu­telte Aktie stürzte dar­aufhin ins Boden­lose und verlor damit dieses Jahr 98 % ihres Wertes. Anleger müssen nun mit einem Total­ver­lust rechnen. Auch Markus Braun als größter Wire­card-Aktionär ver­liert rech­ne­risch 1,5 Mrd. Euro. 

Was ist die Moral von der Geschicht‘ ?

Ein­zel­ak­tien gehören in des Klein­an­le­gers Port­folio nicht.
Aktien sind für die Kapi­tal­an­lage und Alters­vor­sorge unver­zichtbar. Sie bieten lang­fristig auch im Nied­rig­zin­sums­feld und relativ zur Infla­tion ein unschlag­bares Ertrags­po­ten­tial. Aber bitte nicht hoch kon­zen­triert in Ein­zel­ti­teln. Die moderne Port­fo­lio­theorie (z.B.: im Capital Asset Pri­cing Model) ist hier ein­deutig. Die Über­nahme des Ein­zel­ri­sikos (unsys­te­ma­ti­sches Risiko) wird näm­lich über keine Risi­ko­prämie ver­gütet und sollte daher ver­mieden werden.

Inves­toren in global diver­si­fi­zierte Akti­en­port­fo­lios brau­chen sich hin­gegen über Manage­ment­fehler, Betrugs­fälle oder eine ver­fehlte Pro­dukt­po­litik ein­zelner Unter­nehmen keine Sorgen machen. Viele Kom­men­ta­toren befürchten nun mit dem Wire­card-Skandal eine Beschä­di­gung der Akti­en­kultur in Deutsch­land. Das Gegen­teil ist der Fall. Der Betrugs­fall bietet den Anle­gern die Chance, sich end­lich mit wis­sen­schaft­lich fun­dierten Anla­ge­stra­te­gien zu beschäf­tigen. Eine Akti­en­kultur a la „Volks­aktie Telekom“ brau­chen wir in Deutsch­land nicht. 

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Zur Beach­tung: Die in diesem Doku­ment ent­hal­tenen Infor­ma­tionen stellen keine Anla­ge­be­ra­tung dar, eine Haf­tung ist ausgeschlossen.


Über den Autor

Benjamin Kaden

Hi, ich bin Benjamin, Leiter Asset Management von EVERGREEN. Ich freue mich, Privatanlegern den Zugang zu innovativen und professionellen Investmentlösungen zu ermöglichen. Auf unserem Blog teile ich mein Finanzwissen mit Euch.

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