Werft die Noten­presse an!
Markt­kom­mentar KW 37 | 2019

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Die Woche stand ganz im Zei­chen der EZB Sit­zung am Don­nerstag. Mario Draghi legt in seiner vor­letzten Zins­ent­schei­dung noch einmal kräftig nach und redu­ziert den Ein­la­gen­zins­satz auf minus 0,5 % von bisher minus 0,4 %. Finanz­in­sti­tute müssen damit also noch höhere Straf­zinsen zahlen, wenn sie über­schüs­siges Geld bei der Zen­tral­bank parken.
Außerdem soll über Anlei­he­käufe von 20 Mrd. EUR monat­lich ab November wieder ordent­lich Geld in die Märkte gepumpt werden.

Chart der Woche

Ent­wick­lung des EZB Leit­zins für Einlagen

Ent­wick­lung des EZB Leit­zins für Ein­lagen — Ent­wick­lung in Pro­zent — Quelle: Reuters

Warum das ganze?

Draghi begründet die Schritte mit den gefal­lenen Infla­ti­ons­er­war­tungen in der Euro­zone und auf­grund der schwä­chelnden Kon­junktur. Außerdem betrachtet er die aktu­ellen geo­po­li­ti­schen Ent­wick­lungen mit Sorge. Durch das viele bil­lige Geld soll die Wirt­schaft gestärkt und die Infla­tion ange­kur­belt werden. Ein gewisse Infla­tion (das EZB Ziel liegt bei knapp unter 2 %) ist wichtig, da dau­er­haft fal­lende Preise (Defla­tion) als Gift für die Wirt­schaft gelten.

Was bringt es?

Aktio­näre und Häus­le­bauer freut es, da sich Immo­bi­lien und Unter­neh­mens­be­tei­li­gungen güns­tiger refi­nan­zieren lassen.
Die leid­ge­prüften deut­schen Sparer müssen wei­terhin ganz stark sein. Erste Geschäfts­banken drohen bereits mit Straf­zinsen für Pri­vat­kunden. Das gute alte Kopf­kissen könnte damit wieder mal zum Ein­satz kommen.

Donald Trump ist eben­falls „not amused“ und wit­tert durch einen erstar­kenden Dollar Wett­be­werbs­nach­teile für die ame­ri­ka­ni­sche Export­wirt­schaft. Per Twitter for­dert er die US Noten­bank Fed auf, es der EZB gleich­zutun und damit den Dollar zu schwä­chen. Sehen wir hier die Anfänge eines neuen Währungskrieges?

Wie effektiv sind die Maßnahmen?

Nach vielen Jahren der Nied­rig­zins­phase ist das geld­po­li­ti­sche Schwert der EZB stumpf geworden. In der VWL spricht man auch von einer soge­nannten Liqui­di­täts­falle, wenn die Geld­po­litik ihre Wir­kung ver­liert. Jetzt kann nur noch der Staat durch eine Ankur­be­lung der Wirt­schaft aktiv werden. Die EZB sieht „Staaten ohne Haus­halts­nöte“ also ganz spe­ziell auch Deutsch­land in der fis­kal­po­li­ti­schen Ver­ant­wor­tung „wirksam und recht­zeitig“ zu han­deln.

Wird jetzt Deutsch­land über höhere Staats­aus­gaben ein­greifen oder hält die schwarze Null? Fragen über Fragen…

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Über den Autor

Benjamin Kaden

Hi, ich bin Benjamin, Leiter Asset Management von EVERGREEN. Ich freue mich, Privatanlegern den Zugang zu innovativen und professionellen Investmentlösungen zu ermöglichen. Auf unserem Blog teile ich mein Finanzwissen mit Euch.

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