Sparen oder kon­su­mieren? Ent­schei­dung zwi­schen Glück und Entbehrung?

Konsum und Geld ausgeben oder besser Geld sparen und finanzielle Absicherung? Eine Frage, die pauschal nicht beantwortet werden kann?

Sparen – warum? Wofür geht man arbeiten, wenn man das ver­diente Geld nicht aus­gibt und das Leben genießt? Sparen ist also eher „uncool“ — wirk­lich? Nein – ist es eben nicht, wenn man sich im Klaren dar­über ist, was mit einem klaren Spar­ziel vor Augen erreichbar ist. Und dem inneren Drang wider­steht, den Ver­lo­ckungen des all­täg­li­chen Kon­sums zu widerstehen.

Zuge­geben: Das Kaufen und Kon­su­mieren hat dem Sparen längst den Rang abge­laufen. Oft kaufen wir nur, um zu besitzen — Kaufen um des Kau­fens willen. Die schönen Dinge des Lebens, über das Lebens­not­wen­dige hinaus immer. All­um­fas­sender Konsum — das ist ein Merkmal unserer Gesell­schaft. Das „Nein“ sagen fällt zuneh­mend schwerer.

Dabei ist das Kon­su­mieren oder Sparen eine durchaus indi­vi­du­elle Ent­schei­dung eines jeden Ein­zelnen. Jeder steht per­ma­nent vor der Wahl, etwas zu kaufen und zu ver­brau­chen oder eben abzu­warten und mit dem Gesparten Rück­lagen zu bilden.

Stellt sich also die Frage: Wie glück­lich macht Konsum und ist Sparen wirk­lich so entbehrend?

Sparen ist eine Frage der per­sön­li­chen Einstellung

Die deut­schen Haus­halte haben laut Bun­des­bank ins­ge­samt 6.000 Mil­li­arden Euro ange­spart. Ein Zehntel der Men­schen ist hin­gegen über­schuldet, das heißt, sie können ihre Alt­schulden nur mit neu auf­ge­nom­menen Schulden beglei­chen. Ein Teu­fels­kreis beginnt.

Im Kern des ewigen Zwie­spalts zwi­schen Kon­su­mieren und Sparen steht ganz klar die per­sön­liche Ein­stel­lung. Es ist eine per­sön­liche Abwägung.

  • Lieber heute kon­su­mieren oder lieber später im Alter den Konsum genießen?
  • Warum braucht man ständig ein neues Autos, obwohl man auch ein altes fahren könnte?
  • Warum braucht man eine große Woh­nung allein, wenn doch eine kleine auch rei­chen würde?

Ein großes Pro­blem in der Debatte stellen die eigenen Bedürf­nisse dar. Diese scheinen umso größer zu werden, je höher das ver­füg­bare Ein­kommen ist. Mit mehr Geld lassen sich noch mehr Wün­sche erfüllen. Letzt­end­lich sollte man sich auch dafür belohnen, wenn man mehr geleistet und in Folge auch ver­dient hat. Oder etwa nicht? Und wenn ohnehin eine hohe Geld­summe zur Ver­fü­gung steht, warum dann Geld sparen? Schließ­lich beschert einem das Geld aus­geben ein deut­lich höheres Glücks­ge­fühl als es ein­fach irgendwo auf einem Spar­konto zu parken.

Konsum statt Sparen: Ist der Staat an allem Schuld?

Gewagte Fra­ge­stel­lung? Sicher­lich — doch es steht auch Fol­gendes fest: Das Ver­hältnis von Konsum und Sparen spie­gelt sich nicht nur im Wohl­stands­ni­veau und den Wohl­stands­per­spek­tiven, son­dern auch im Ver­hältnis von Bürger und Staat wieder. Schließ­lich stehen Konsum und Sparen im Zusam­men­hang mit der Ent­ste­hung von Krisen. Heute besteht die Her­aus­for­de­rung nicht in der Über­win­dung einer akuten, son­dern einer struk­tu­rellen Krise.

Oft gibt es den poli­ti­schen Wunsch, Geld in Umlauf zu bringen, um damit den Konsum und die Kon­junktur anzu­kur­beln. Das kann natür­lich nicht pas­sieren, wenn die frisch gedruckten Scheine direkt unter den Kopf­kissen ver­schwinden. So macht es aller­dings den Anschein. Deut­sche Bürger sparen mehr und kon­su­mieren weniger. Die Spar­quote ist momentan so hoch wie seit der ersten Hälfte der Neun­ziger Jahre nicht mehr.

Das ist für die deut­sche Wirt­schaft, die sich gerade deut­lich abkühlt, keine gute Nach­richt. Denn je mehr die Haus­halte eines Landes sparen, desto weniger geben sie für Konsum aus und bremsen so die Wirt­schaft. Der Anteil der Kon­sum­aus­gaben an der gesamten Wirt­schafts­leis­tung ist in Deutsch­land zwar etwas nied­riger als in anderen großen Indus­trie­län­dern. Aus dem Rahmen fallen im Ver­gleich der Indus­trie­länder aber eher die hohen Kon­sum­quoten in Groß­bri­tan­nien und den USA.

Geld ansparen oder aus­geben? Eine Faust­formel gibt es nicht!

Fest­stel­lung: Geld anzu­sparen heißt für die Zukunft vor­sorgen, mit dem Kapital von heute. Wer heute zumin­dest einen Teil seines Geldes spart, kann zukünftig mehr kon­su­mieren. Vor­aus­ge­setzt, das zur Ver­fü­gung ste­hende Kapital wurde pro­duktiv ver­wendet. Die ein­zige Alter­na­tive dazu besteht darin, ein­fach mehr zu arbeiten und mehr Geld zu ver­dienen. Wichtig ist auch zu ver­stehen, dass Sparen nicht bedeutet, etwas nicht aus­zu­geben, was man gar nicht hat.

Zum Ver­ständnis: Der Rück­gang der Staats­aus­gaben wird häufig fälsch­li­cher­weise als Sparen bezeichnet, obwohl keine Rück­lagen gebildet werden. Schon seit den 1990er Jahren wachsen die Kon­sum­aus­gaben in Deutsch­land rapide an. Sie wuchsen sogar stärker an, als die ver­füg­baren Ein­kommen. Von „Sparen“ kann in solch einem Fall keine Rede sein!

Mehr kon­su­mieren und weniger sparen ODER mehr sparen und weniger kon­su­mieren? Diese Frage steht im Raum. Die indi­vi­du­elle Zeit­prä­fe­renz ist hierbei ein wich­tiger Punkt, denn sie bestimmt die Nei­gung zum Sparen stark. Im Falle der aktu­ellen Bedürf­nis­be­frie­di­gung zieht man den Konsum jetzt vor. Wohin­gegen die zukünf­tige Bedürf­nis­be­frie­di­gung auf dem Ansparen von Geld beruht, da man sich an der Zukunft ori­en­tiert und lang­fris­tige Ziele vor Augen hat. Wer weiß denn heute schon, was in zehn Jahren ist?

Für jedes Sparziel gibt es ein Pocket
Für jedes Sparziel gibt es ein Pocket

Sparen als auch kon­su­mieren bedeutet: Alles in Maßen, nicht in Massen

Um finan­ziell unbe­schwert leben zu können, ist das Sparen unab­dingbar. Jedoch gibt es, wie bei allen Dingen im Leben, auch ein Maß an Zuviel.

Es herrscht ein stän­diger Kon­flikt zwi­schen aktu­eller und zukünf­tiger Bedürf­nis­be­frie­di­gung. Je höher man die zukünf­tige Bedürf­nis­be­frie­di­gung bewertet, desto mehr spart man logi­scher­weise. Dabei sollte man sich selbst nicht so sehr zum Sparen zwingen, dass das Glück, sich auch mal etwas zu gönnen, ganz hinten ansteht. Das führt auf Dauer zu Frust.

Beim Sparen geht es oft um Ziele. Die meisten Men­schen haben kon­krete Ziele vor Augen, auf die sie hin sparen möchten. Von dessen Errei­chen erhoffen wir uns eine grö­ßere Zufrie­den­heit. All diese Spar­ziele gehen immer mit einem gewissen Druck einher, ohne diesen wäre ja auch alles ziem­lich lang­weilig und träge.

Aber was pas­siert, wenn der Druck zu groß wird? Es kommt zum großen Knall. Indem man seine finan­zi­ellen Ziele ent­spannter geht, ent­lastet man sich selbst. Man sollte sich immer die Frage stellen, ob es eine ent­schei­dende Rolle im Leben spielt, die finan­zi­ellen Ziele fünf Jahre eher oder später zu erreichen.

Das Sparen ist zudem eine gewisse Form des Man­gelden­kens. Denn häufig ist die Vor­stel­lung “Wenn ich doch end­lich reich bin…” schlichtweg falsch. Da der Dann-Satz dann oft­mals lautet “…bin ich end­lich glück­lich.”, sagt man unbe­wusst zu sich selbst, dass man zum jet­zigen Zeit­punkt eben nicht glück­lich sein kann. Wird sich die Frage zu oft gestellt, dann wird die Frage, wie man noch mehr Geld sparen kann, weiter genährt. Schnell fühlt man sich dann dadurch schlechter.

Rich­tigen Mit­telweg zwi­schen Geld sparen und Geld aus­geben finden

Das Sparen und der damit ein­her­ge­hende Ver­zicht ist für den finan­zi­ellen Erfolg essen­tiell. Doch sollte das eigene Glück des­wegen nicht hinten anstehen müssen. Wie viel man spart oder kon­su­miert liegt immer im Ermessen des Ein­zelnen und ist von dessen Zielen und Zeit­prä­fe­renzen abhängig.