Ver­stopfte Lie­fer­ketten: Explo­sion der Trans­port­kosten Markt­kom­mentar KW 27 | 2021

US-Notgroschen für die Wirtschaft

Ever Given” ahoi! Knapp drei Monate nach der Blo­ckade des Suez-Kanals einigten sich die Eigen­tümer mit den ägyp­ti­schen Behörden über den zu zah­lenden Scha­dens­er­satz. Das Schiff konnte seine Fahrt damit end­lich fort­setzen. Doch wer durch dieses Ereignis auf ein Signal der Ent­span­nung im welt­weiten Fracht­ver­kehr gehofft hatte, wird ent­täuscht. Im Gegen­teil, die Puffer scheinen auf­ge­braucht und die Eng­pässe in den Lie­fer­ketten scheinen weiter zuzu­nehmen. Viele Frachter düm­peln zur­zeit in Sicht­weite zu ver­stopften Welt­häfen und warten darauf gelöscht zu werden. Die ent­stan­dene Con­tainer-Knapp­heit resul­tiert in explo­die­renden Trans­port­kosten. So kostet ein 40-Fuß-Dop­pel­con­tainer im Durch­schnitt viermal (!) mehr als noch vor einem Jahr. Auch auf der Straße oder in der Luft steigen die Trans­port­kosten rasant. Drohen bald leere Regale oder gar ein Weih­nachten mit begrenzter Geschenkauswahl?

Apropos Preis­an­stieg: Die Euro­päi­sche Zen­tral­bank hat diese Woche einen Stra­te­gie­wechsel ange­kün­digt. Wich­tigste Ände­rung: Das seit 2003 aus­ge­lobte Infla­ti­ons­ziel “unter, aber nahe 2 Pro­zent” wird ange­passt. Die Wäh­rungs­hüter peilen künftig eine jähr­liche Preis­stei­ge­rung von genau 2 Pro­zent an. Durch das Bre­chen mit der alten Tra­di­tion ent­fällt der Zwei-Pro­zent-Deckel, sodass die Infla­tion das gesetzte Ziel nun zeit­weise auch offi­ziell über­schreiten darf. Damit legi­ti­miert die EZB eine Fort­set­zung der ultra­lo­ckeren Geld­po­litik – unge­achtet der Ent­wick­lung der Verbraucherpreise.

Akti­en­märkte im Schau­kel­modus // Das Anleihen-Para­doxon // Renten hui, Aktien pfui

Nachdem die Blick­rich­tung an den Akti­en­märkten auch diese Woche zunächst nach oben gerichtet war, sahen sich Anleger:innen zum Wochen­aus­klang zum ersten Mal seit län­gerer Zeit wieder mit Kurs­ver­lusten kon­fron­tiert. Corona-Sorgen in Asien und Europa sowie schwä­chere Kon­junk­tur­daten – etwa beim ZEW-Index oder dem US-Ein­kaufs­ma­nager-Index – trübten die Stim­mung und sorgten für eine Kor­rektur. Anders ent­wi­ckelt sich die Stim­mung an den Anlei­he­märkten, was selbst Experten über­rascht. Eigent­lich spricht das Markt­um­feld – stei­gende Infla­tion, Wirt­schafts­er­ho­lung und Fed-Dis­kus­sionen über ein Zurück­fahren ihrer Anlei­he­käufe – nicht gerade für eine Anleihen-Rallye. Den­noch sank bei­spiels­weise die Ren­dite der 10-jäh­rigen US-Staats­an­leihen unter 1,3 % und damit auf den nied­rigsten Stand seit Februar. Die sin­kenden Ren­diten bzw. stei­genden Anleihen-Kurse signa­li­sieren zudem eine leichte Ent­span­nung hin­sicht­lich der Infla­ti­ons­the­matik. Ist dies das Ende der Refla­tion Trades?

Zur Beach­tung: Frü­here Wert­ent­wick­lungen lassen nicht auf zukünf­tige Ren­diten schließen. Die in diesem Doku­ment ent­hal­tenen Infor­ma­tionen stellen keine Anla­ge­be­ra­tung dar, eine Haf­tung ist ausgeschlossen. 

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