Aktivrente: Arbeiten im Ruhestand lohnt sich bald mehr

Viele Men­schen möchten auch nach dem Ren­ten­ein­tritt wei­ter­ar­beiten – sei es, weil sie Freude an ihrem Beruf haben, sich fit halten wollen oder ein­fach das zusätz­liche Ein­kommen schätzen. Ab dem 1. Januar 2026 soll sich genau das mehr lohnen: Mit der neuen Aktiv­rente dürfen Rentner:innen bis zu 2.000 Euro im Monat – also 24.000 Euro im Jahr – steu­er­frei zur nor­malen Rente dazuverdienen.

Die Bun­des­re­gie­rung will damit ein Zei­chen setzen: Wer im Alter weiter anpackt, soll dafür nicht bestraft, son­dern belohnt werden. Hin­ter­grund ist auch der wach­sende Fach­kräf­te­mangel in Deutsch­land – vor allem in Berei­chen wie Pflege, Bil­dung und Hand­werk. Schon jetzt arbeitet rund jede achte Person zwi­schen 65 und 74 Jahren weiter. Mit der Aktiv­rente soll dieser Trend unter­stützt und gleich­zeitig der Über­gang in den Ruhe­stand fle­xi­bler gestaltet werden.

So funktioniert die Aktivrente

Vor­aus­set­zung ist, dass du die gesetz­liche Regel­al­ters­grenze erreicht hast – in der Regel also mit 67 Jahren – und wei­terhin sozi­al­ver­si­che­rungs­pflichtig ange­stellt bist. Dann darfst du bis zu 2.000 Euro brutto monat­lich steu­er­frei ver­dienen. Die Steu­er­frei­heit gilt direkt auf der Gehalts­ab­rech­nung, du musst also nichts extra über die Steu­er­erklä­rung regeln.

Auch wenn auf diesen Ver­dienst keine Steuern anfallen, werden Bei­träge zur Kranken‑, Pflege- und Ren­ten­ver­si­che­rung wei­terhin fällig. Die Hälfte davon über­nimmt dein Arbeit­geber. Das hat sogar einen Vor­teil: Weil weiter Ren­ten­bei­träge gezahlt werden, sam­melst du zusätz­liche Ren­ten­punkte und erhöhst so lang­fristig deine Rente.

 

Wer profitiert von der Aktivrente? 

Von der Aktiv­rente pro­fi­tieren vor allem Men­schen, die nach dem Errei­chen der Regel­al­ters­grenze ange­stellt bleiben und Lust haben, wei­terhin im Berufs­leben aktiv zu sein. Ob sie vorher selbst­ständig, ange­stellt oder Beamte waren, spielt keine Rolle – ent­schei­dend ist das Ange­stell­ten­ver­hältnis im Rentenalter.

Nicht pro­fi­tieren können hin­gegen Selbst­stän­dige und Freiberufler:innen, da die Rege­lung aus­schließ­lich für sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tige Beschäf­ti­gungen gilt. Auch, wer bereits vor­zeitig in Rente gegangen ist, kann die Aktiv­rente nicht auto­ma­tisch in Anspruch nehmen.

 Kritik an der Aktivrente 

Viele sehen die Aktiv­rente als posi­tives Signal: Sie wert­schätzt die Lebens­leis­tung älterer Men­schen und gibt ihnen mehr Fle­xi­bi­lität beim Ren­ten­ein­tritt. Kritiker:innen weisen jedoch darauf hin, dass vor allem Gut­ver­die­nende davon pro­fi­tieren – also die­je­nigen, die ohnehin wei­ter­ge­ar­beitet hätten. Bran­chen mit hoher kör­per­li­cher oder psy­chi­scher Belas­tung, etwa in der Pflege oder auf dem Bau, werden dagegen nur wenig ent­lastet, da hier ein län­geres Arbeiten oft aus gesund­heit­li­chen Gründen gar nicht mög­lich ist.

Auch Selbst­stän­dige und Freiberufler:innen sind bis­lang nicht ein­be­zogen. Für sie gilt die Steu­er­be­freiung nicht, da die Aktiv­rente aus­schließ­lich auf sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tige Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nisse aus­ge­richtet ist. Damit bleibt ein großer Teil der Erwerbs­tä­tigen unbe­rück­sich­tigt, der eben­falls im Ruhe­stand wei­ter­ar­beiten möchte – etwa selbst­stän­dige Handwerker:innen, Ärzt:innen oder Künstler:innen. Ob die Bun­des­re­gie­rung in Zukunft eine Erwei­te­rung plant, ist der­zeit noch offen.

Hinzu kommt, dass die Steu­er­frei­heit dem Staat teuer zu stehen kommen dürfte: Schät­zungen zufolge könnten dem Fiskus dadurch jähr­lich bis zu 2,8 Mil­li­arden Euro ent­gehen. Die geschätzten Steu­er­aus­fälle ent­stehen vor allem, weil auch die­je­nigen pro­fi­tieren, die schon heute über das Ren­ten­alter hinaus arbeiten und künftig keine Steuern mehr auf ihren Zuver­dienst zahlen müssten. Gleich­zeitig ist noch unklar, ob Arbeit­geber tat­säch­lich gezielt Men­schen im Ren­ten­alter ein­stellen werden, wenn damit mög­li­cher­weise höhere Krank­heits­aus­fälle oder orga­ni­sa­to­ri­sche Anpas­sungen ver­bunden sind.

Was bedeutet das für dich und deine Altersvorsorge?

Die Aktiv­rente ist ein Schritt hin zu mehr Frei­heit im Ruhe­stand. Wer im Alter wei­ter­ar­beiten möchte, kann das künftig ein­fa­cher und finan­ziell attrak­tiver tun. Trotzdem ersetzt die Aktiv­rente keine durch­dachte Alters­vor­sor­ge­stra­tegie. Sie kann ein ergän­zender Bau­stein sein, aber kein Fun­da­ment. Denn sie greift erst, wenn du bereits im Ruhe­stand bist – und bis dahin sollte dein finan­zi­elles Polster stehen.

Eine sta­bile, gut geplante Vor­sor­ge­stra­tegie sorgt dafür, dass du später wirk­lich die Wahl hast.