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Lohnt sich ein Robo-Advisor?

Für wen lohnt sich die digitale Geldanlage bei einem Robo Advisor?

Um zu prüfen, ob sich ein Robo-Advisor lohnt, ist es wichtig zu ver­stehen, was ein Robo-Advisor genau macht. Das erklärt sich eigent­lich schon durch den Namen selbst: Robo steht für Roboter, also etwas Auto­ma­ti­siertes und Advisor bedeutet auf Deutsch Berater.

Es han­delt sich bei einem Robo-Advisor also um einen auto­ma­ti­sierten, digi­talen Berater, der bei der Geld­an­lage assistiert.

Das funk­tio­niert fol­gen­der­maßen: Zunächst werden per­sön­liche Daten abge­fragt wie etwa Alter, Ein­kommen und Risi­ko­be­reit­schaft. Anhand dieser Daten wird eine per­sön­liche Risi­ko­kenn­zahl berechnet, welche angibt, wie­viel Risiko man bei einer Geld­an­lage ein­gehen möchte und kann. Im letzten Schritt baut der Robo-Advisor dann ein Port­folio aus meh­reren Wert­pa­pier­fonds, wel­ches auf diese indi­vi­du­elle Risi­ko­kenn­zahl und die eigene Ertrags­er­war­tung ange­passt ist.

Günstig und bequem für jedermann?

Ein Robo-Advisor über­nimmt somit die Auf­gaben eines Bank­be­ra­ters – nur eben kom­plett digital und meis­tens auch güns­tiger: Robo-Advisor inves­tieren in der Regel in bereits bestehende ETF-Port­fo­lios. Diese ETF‘s, also bör­sen­ge­han­delte Fonds, bilden passiv einen Index nach. Für diese Pro­dukte fallen für einen Anleger nur nied­rige Gebühren von etwa 0,25 % jähr­lich an, da ja kein aktiver Fonds­ma­nager zu bezahlen ist. Bei diesem liegen die Gebühren etwa zwi­schen 1,5 % bis 2 % pro Jahr.

Ein Robo-Advisor lockt wei­terhin mit einem geringen Auf­wand für den Anleger, da man seine Daten bequem von zu Hause aus ein­geben kann, ohne einen Termin beim Bank­be­rater machen zu müssen. Ein wei­terer Plus-Punkt ist, dass der Mensch als poten­ti­elle Feh­ler­quelle aus­ge­schlossen ist: Der Roboter lässt sich natür­lich nicht von Emo­tionen, Vor­ah­nungen oder Pro­vi­sionen leiten, son­dern agiert objektiv.

Ganz bequem bei einem Robo Advisor anlegen

Sofern man sich den Min­dest­an­la­ge­be­trag, der unserer Mei­nung nach in den meisten Fällen noch zu hoch ange­setzt ist, leisten kann, kann jeder Gebrauch von dieser Tech­no­logie machen.

Die Stol­per­fallen

Auf den ersten Blick erscheint ein Robo-Advisor als eine sehr kos­ten­güns­tige Mög­lich­keit, um ein Ver­mögen auf­zu­bauen. Aller­dings sollte man die 0,75 % bis 1 % Ser­vice­ge­bühr, die der Robo zusätz­lich zu den ETF-Gebühren ver­langt, nicht außer Acht lassen: Der Kos­ten­vor­teil — gegen­über den Kosten eines aktiven Fonds­ma­na­gers – ver­schwindet durch diese Ser­vice­kosten näm­lich teil­weise wieder oder gar kom­plett. Zusätz­lich erscheint die Höhe der Ser­vice­ge­bühren für eine ein­ma­lige Leis­tung der Port­folio-Zusam­men­stel­lung und anschlie­ßendem auto­ma­ti­sierten Reb­a­lan­cing etwas übermäßig.

Man sollte außerdem nicht ver­gessen, dass oft­mals nicht alle Kosten eines Robo-Advisor (die ETFs ver­wenden) auf einen Blick erfassbar sind. In man­chen Fällen sind die ETF-Gebühren näm­lich weit höher als durch­schnitt­lich ange­geben: Die Total Expense Ratio (TER), welche eigent­lich über alle Kosten eines ETF Aus­kunft geben soll, ent­hält näm­lich – anders als der Name ver­muten lässt — nicht alle ETF-Gebühren. Unter anderem werden die Trans­ak­ti­ons­kosten nicht berück­sich­tigt, die ent­stehen, wenn der ETF das Port­folio auf den Index, wel­chen es abbildet, anpasst.

Wei­terhin lohnt es sich einen Blick auf die bereits erwähnte Statik der Port­fo­lios zu werfen. Der Robo-Advisor errechnet eine indi­vi­du­elle Risi­ko­kenn­zahl, mit wel­cher die Anteile von Anleihen und Aktien im Port­folio danach bestimmt wird, wie risi­ko­reich die Inves­ti­tion gestaltet werden soll. Sobald diese Kenn­zahl steht, bleibt diese Zusam­men­set­zung dau­er­haft die­selbe. Das bedeutet, dass man als vor­sich­tiger Anleger mit geringem Aktien-Anteil in Phasen, in denen die Aktien steigen, weniger stark an diesem Hoch par­ti­zi­pieren kann. Andersrum muss man dann als risi­ko­freu­diger Anleger mit hoher Aktien-Quote bei fal­lenden Kursen zusehen, wie man unver­meid­lich mit hinunterrutscht.

Die Robo-Advisor werden der­zeit noch zu stark als wei­terer Ver­triebsweg ver­standen, der Wert­pa­pier­port­fo­lios an Pri­vat­an­leger bringen soll. Dies ändert aber an den Grund­pro­blemen des Port­fo­lio­ma­nage­ments wenig. Von daher sollte sich jeder Anleger auch ein­ge­hend mit der ver­folgten Anla­ge­stra­tegie des Robos beschäf­tigen, da diese einen direkten Ein­fluss auf die ein­ge­gan­genen Risiken und die Ertrags­er­war­tung hat.

Keine Gebühren zahlen
Keine Gebühren zahlen

Doch zur Bank?

Zusam­men­fas­send kann man sagen, dass ein Robo-Advisor also vor allem mit nied­rigen Gebühren und wenig Auf­wand für die Anleger lockt. Man sollte sich aller­dings gut über­legen, ob einem die Gebühren den doch sehr geringen Arbeits­auf­wand des Robos wert sind und man bereit ist, auch even­tu­elle ver­steckte Gebühren in Kauf zu nehmen. Zuletzt bleibt noch die Frage offen, ob eine sta­ti­sche Port­fo­li­o­zu­sam­men­set­zung wirk­lich sinn­voll ist, wenn diese nicht auf die aktu­ellen Markt­ge­ge­ben­heiten reagieren kann.


Der opti­male Robo-Advisor

Der opti­male Robo-Advisor sieht aus unserer Sicht fol­gen­der­maßen aus:

Zuerst sollten natür­lich die Gebühren mög­lichst niedrig aus­fallen und deut­lich unter 1 % pro Jahr liegen. Und damit meinen wir die Gesamt­kosten, die die Anleger letzt­end­lich zu tragen haben. Diese sollten auch kom­plett trans­pa­rent ver­öf­fent­licht werden, ohne jeg­liche ver­steckte Gebühren.

Für den Anla­ge­be­trag sowohl bei Spar­plan als auch bei der Ein­mal­an­lage sollte es mög­lichst keine oder nur sehr geringe Min­dest­grenzen geben. Denn Ver­mö­gens­aufbau und Alters­vor­sorge gehen jeden etwas an!

Bei der ver­folgten Anla­ge­stra­tegie sollte ein aktiver Ansatz zum Risi­ko­ma­nage­ment ent­halten sein. Nach dem Motto: Gewinne laufen lassen und Risiken begrenzen. Eine Allo­ka­ti­ons­stra­tegie mit sta­ti­schen Gewichten kann am Kapi­tal­markt hohe Wert­schwan­kungen gene­rieren, und ist aus unserer Sicht für viele Anle­ger­typen nicht geeignet.

Auch die indi­vi­du­elle, finan­zi­elle Gesamt­si­tua­tion des Anle­gers sollte berück­sich­tigt werden, um eine begrün­dete Ein­ord­nung vor­nehmen zu können. Außerdem sollten wei­tere kos­ten­lose Leis­tungen, wie etwa Mög­lich­keiten zur Finanz­pla­nung oder Fach­wissen rund um das Thema Finanzen, ange­boten werden. Denn die Grund­lagen des Finanz­marktes sind keine Rake­ten­wis­sen­schaft und jeder mit Inter­esse sollte sich ohne großen Auf­wand infor­mieren können. So werden Anleger befä­higt, eigen­ständig die rich­tige Aus­wahl zu treffen.